McDonald’s-Mitarbeiter über Burger, blöde Witze und böse Vorurteile

Ein Artikel von Sarah Engel / Foto: Jörn Martens Quelle: NOZ vom 10.04.2017

Bedienungen, Ärzte, Müllmänner, Kassierer – in unserem Alltag haben wir immer mal wieder mit ihnen zu tun, doch selten machen wir uns darüber Gedanken, wie wir auf sie wirken. Wir haben daher einmal nachgefragt.

Teil 31: ein McDonald’s-Mitarbeiter.


Zwischen Kaffee und Kuchen, Burgern und Pommes fühlt sich Marcel Schmitz wohl. Der 37-jährige Osnabrücker hat 2004 seine Ausbildung bei McDonald’s abgeschlossen und arbeitet seit 2008 im McCafé an der Pagenstecher Straße. Im Interview erzählt der Fast-Food-Barista von Vorurteilen über ungebildete Mitarbeiter, blöden Witzen und was er dank seiner Arbeitskleidung perfektioniert hat.

Herr Schmitz, welche Vorurteile begegnen Ihnen am häufigsten am Arbeitsplatz?

Die Vorurteile, die ich selbst vor 16 Jahren hatte. Manche Kunden denken, dass McDonald’s-Mitarbeiter nichts anderes können. Wenn sie länger auf einen Burger oder eine Beilage warten müssen, verdrehen sie die Augen. Manche denken gar, wir würden absichtlich Produkte vergessen. Das finde ich schlimm und schade.


Was dachten Sie vor Ihrer Ausbildung über McDonald’s?


Dass ich dort niemals arbeiten möchte (lacht). Auch ich hatte Vorurteile und glaubte, dass hier nur Menschen arbeiten, die keinen anderen Job finden. Aber das Gegenteil ist der Fall: Hier arbeiten sowohl Hauptschulabsolventen als auch Akademiker. Ich habe sehr nette Kollegen, ein angenehmes Arbeitsumfeld und habe es nie bereut, bei McDonald’s angefangen zu haben.

Wie wird man Mitarbeiter bei McDonald’s?

In meinem Fall dank eines Flyers im Briefkasten. Über meinen Opa bin ich aber zunächst zum Straßenbau gekommen. Er gab mir den Tipp, diese Ausbildung zu beginnen - und was der Opa sagt, das macht man (lacht). Doch der Beruf hat mir nie Freude bereitet.

Warum?

Schon meine Mutter arbeitete in der Gastronomie und auch ich hatte Lust auf einen Job, bei dem ich mit in Menschen Kontakt bin. So habe ich am Tag meiner Abschlussprüfung meine Ausbildung abgebrochen. Erst wusste ich nicht weiter, aber wenig später lag der Flyer von McDonald’s im Briefkasten. Sie suchten Mitarbeiter und Azubis. Ich bewarb mich und startete 2001 meine Ausbildung zum Systemgastronomen.

Von Fast Food erwarten viele Menschen, dass sie schnell bedient werden. Stressen Sie lange Schlangen und wartende Kunden?


Nein. Denn den Stress macht man sich nur selbst, aber er bringt mich nicht weiter. Seit 2008 arbeite ich im McCafé. Kunden, die auf ihren Kaffee warten, kenne ich nur zu gut. Ich lasse mich nicht von ungehaltenen Kunden stressen, sondern versuche jeden zügig zu bedienen.

Haben Sie auch Stammkunden?

Oh ja. Es gibt Menschen, die täglich kommen, um einen Burger zu essen oder Kaffee zu trinken. Ein Herr bestellt jeden Tag einen kleinen Kaffee. Wenn er mit seinem Auto auf den Parkplatz fährt, bereite ich ihm den Kaffee schon vor. Er muss ihn nur noch abholen und bezahlen (lacht).

Was sind denn die beliebtesten Snacks?

Im McCafé greifen die Kunden gerne zu Latte Macchiato und Erdbeer- oder Schokokuchen. Am McDonald’s-Schalter gehören Cheeseburger und Big Mac zu den meisterverkauften Produkten. Der Veggie-Burger wird dagegen weniger gegessen – das sind zumindest meine Eindrücke.


Wie lange braucht ein Mitarbeiter, um einen frischen Cheeseburger herzustellen?

Maximal 300 Sekunden. Aber da wir die Cheeseburger ständig zubereiten, können wir ihn meist direkt nach der Bestellung herausgeben.

Und wann brummt die Bude richtig?

Am Samstag- und Sonntagmorgen nach dem Feiern. Wenn die Menschen aus der Disco kommen, haben sie Hunger. Dann landen sie bei uns. Der Sonntag im Speziellen gehört zu den bestbesuchten Tagen.

Erlauben sich am Wochenende auch mehr Menschen Scherze am Drive-in-Schalter?

Auf jeden Fall. Das Partyvolk denkt, dass es besonders witzig ist, wenn es einen MacGyver oder Döner bestellt. Das haben wir alles natürlich schon Hundert Mal gehört. Wir lachen dann trotzdem mit und nehmen anschließend die echte Bestellung an
.
Wie oft greifen Sie noch zu Burger und Co?

Ein bis zwei Mal die Woche esse ich hier – meistens wenn ich vergessen habe, mir ein Brot zu schmieren oder dafür keine Zeit hatte

Und essen Sie auch bei der Konkurrenz?


Klar, ich bin auch manchmal bei Burger King. Damit habe ich kein Problem. Unseren Kunden geht es übrigens ähnlich. Manche betreten das Lokal mit einer Burger-King-, Kentucky-Fried-Chicken oder Subway-Tüte. Jeder mag doch Abwechslung und stellt sich die Speisen zusammen, die ihm am besten schmecken. So laufen der freie Markt, Angebot und Nachfrage.

Welcher Kunde ist Ihnen der liebste?

Ein Kunde, der weiß, was er will. Manchmal stehen Kunden, die öfter Kaffee bei uns trinken, lange vor meinem Tresen und grübeln. Am Ende bestellen sie – wie immer - einen Latte Macchiato. Das finde ich witzig.

Und welcher Kunde sollte seinen Kaffee besser woanders trinken?

Ungepflegte Kunden und Menschen, die mich sofort duzen. Das finde ich unhöflich und kommt mir zu nah. Eine gewisse Distanz zwischen Gast und Mitarbeiter muss manchmal sein.

Aber Sie haben doch bestimmt auch schon Gäste geduzt?


Klar, aber durch meine jahrelange Arbeit kann ich einschätzen, bei wem das in Ordnung geht. Dann mache ich auch mal einen kleinen Spruch oder spreche die Menschen mit Kosenamen an (lacht).

Somit trägt der Beruf zur Menschenkenntnis bei...

Auf jeden Fall. Wenn ein Kunde stocksteif vor meinem Tresen steht, weiß ich, dass ich ihn nicht duzen sollte. Genauso weise ich aber junge Leute, die auf ihrem Handy spielen, daraufhin, dass sie ihre Pommes nicht vernachlässigen sollen. „Handy weg“, rufe ich dann. „Jetzt wird gegessen.“ (lacht)


Wie haben sich die Wünsche der Kunden in den vergangenen Jahren verändert?


Vor allem im Café-Bereich gibt es inzwischen mehr Auswahl und Variationsmöglichkeiten. Kunden können zum Beispiel zum Kaffee laktosefreie, fettreduzierte oder Soja-Milch trinken – und von diesen vielfältigen Möglichkeiten machen sie Gebrauch.In Amerika versucht sich McDonald’s inzwischen an einem Image-Wandel und gesünderer Kost.

Haben Sie das Gefühl, dass weniger Menschen Lust auf Burger, Pommes und Cola haben?


Schauen Sie sich um: Vor dem Schalter hat sich eine Schlange gebildet, die Tische sind bei sonnigem Wetter voll besetzt. Ich kann keinen Unterschied feststellen.

Und was glauben Sie, woran das liegt?


Ein kleiner Happen auf die Hand geht immer. Was für mich gilt, trifft auch auf viele unserer Kunden zu (lacht).

Letzte Frage: Hand auf’s Herz – wie finden Sie Ihre Berufskleidung?

Das Hemd ist bequem und gefällt mir gut. Das Einzige, was mich anfangs störte, war das ständige Bügeln. Aber inzwischen bin ich so zum Bügelmeister geworden – jetzt wird Zuhause alles gebügelt.